Sonntag, 19. Februar 2012
Eine Niederlage die Hoffnung macht
Ein spitzen Basketballspiel sahen 200 lautstarke BBU Salzburg Fans gestern in der Sporthalle Alpenstraße gegen den amtierenden Tabellenführer Mistelbach. Bis drei Minuten vor Schluss waren beide Teams gleich auf.
Bisher hatte sich die UKJ Mistelbach nur in einem Spiel der Saison geschlagen geben müssen. Gestern sah es zeitweise nach einer möglichen zweiten Niederlage aus. Der Tabellenletzte BBU Salzburg ging gegen den Tabellenersten von Beginn an konzentriert und energiegeladen ins Spiel und man wollte klar stellen, dass man sich im vorletzten Heimspiel der Saison nicht kampflos ergeben wird. So startet ein offener Schlagabtausch auf beiden Seiten, wobei bei den Niederösterreichern wieder der tschechische Import Vladimir Sismilich kaum unter Kontrolle zu bringen war. Salzburg Legionär Richard McNutt war nach seiner Gallenoperation glücklicherweise wieder einsatzbereit und trug sich gegen Ende des ersten Viertels in die Scorerliste ein. Stand nach zehn Minuten 17:21, das Spiel war zugegebenermaßen unerwartet noch offen. Doch es sollte noch besser kommen.
Mit Beginn des zweiten Viertels rochen auch die rund 200 Fans Lunte und unterstützt von „Mr. Trommler“ Stephan Eichinger peitschten sie die BBU von Punkt zu Punkt. Zu Beginn konnte die UKJ ihren Vorsprung jedoch auf neun Zähler ausbauen, doch ab der fünften Minute übernahmen die Hausherren das Kommando und scorten 14 Punkte, wohingegen die Mistelbacher nur mehr vier verbuchen konnten. Besonders der Buzzer-Beater von Jan Veit, als er den Rebound eines missglückten Dreipunktversuchs mehr oder weniger mit der Schlusssirene versenkte, war ein Augenschmaus und die BBU Salzburg ging mit einer sensationellen 36:35 Führung in die Halbzeit.
Die Halbzeitansprache von Mistelbach-Coach Weissenböck dürfte seinen Jungs etwas Feuer gemacht haben, denn die UKJ startete spritziger in den dritten Abschnitt und die ersten neun ihrer Punkte wurden vom Legionärsduo Sismilich und Prachar erzielt. Auf Seiten der BBU hielt Top-Scorer Sanel Ruznic die Salzburger zumindest im Spiel, der sieben der zehn Salzburger Punkte dieses Viertels scorte. Zum Ende des Viertels gab es noch einen spektakulären Dunk plus Bonusfreiwurf von Lorenz Rattey, der die Salzburger damit wieder wach rüttelte. Leider kollidierte er darauf hin unglücklich mit Richard McNutt, der prompt zwei Drittel eines Schneidezahns verlor und vorerst vom Feld musste. Doch Richard McNutt wäre kein echter Liverpool-Sprössling, wenn er nicht auch mit nur einem Schneidzahn wieder Vollgas geben könnte und so stand er schon wenige Minuten später im letzten Abschnitt bereits wieder am Feld. Score vor dem letzten Viertel: 46:51 für Mistelbach.
Den besseren Start in die finale Phase erwischten jetzt die Salzburger und Youngster Philipp Tanzer verwandelte gleich in der ersten Minuten eiskalt einen Dreipunktewurf. Dann folgte ein wahrer Nervenkrimi. Nach dem guten Auftakt der BBU übernahm die UKJ für wenige Minuten wieder das Kommando, ab der fünften Minute war es dann wieder umgekehrt. Da scorte die BBU Salzburg sieben Punkte ohne Gegentreffer und ging gut drei Minuten vor Schluss sensationell mit 58:56 in Führung. Leider folgten dann auf der Seite der Hausherren einige unkonzentrierte Aktionen und man vergab mehr oder weniger sichere Punkte, was Mistelbach ausnutzte und einen guten Vorsprung heraus spielte. Wenige Sekunden vor Ende traf Schneider mit einem Dreipunkter noch zum 61:66, doch das Spiel war im Prinzip schon entschieden. Beim nächsten Angriff brachte außerdem eine – aus Salzburger Sicht – stritte Schiedsrichterentscheidung die Emotionen zum Überkochen und es gab noch ein technisches Foul obendrein, was den Mistelbachern Freiwürfe plus Ballbesitz bescherte. Endstand 65:74.
„Das war die Mannschaft die ich kenne! Sie haben bis zur letzten Minute gekämpft und Herz bewiesen und trotz einiger Fehler in der Schlussphase kann ich ihnen heute keinen Vorwurf machen! Wenn wir so auch in den anderen Partien gespielt hätten, dann wären wir jetzt nicht Tabellenletzter. Aber ‚wäre‘ und ‚hätte‘ zählt im Sport leider nicht viel.“, so Headcoach Bernd Wimmer.
„Auf der einen Seite bin ich glücklich, auf der anderen enttäuscht. Glücklich bin ich darüber, dass wir als Tabellenletzter den Tabellenersten ordentlich unter Druck gebracht haben, das zeigt endlich wieder das Potential unserer Mannschaft. Enttäuscht bin ich darüber, dass wir nicht öfter so gespielt haben diese Saison, aber darüber nachzudenken führt zu nichts. Vielen Dank an die Mannschaft für dieses Spiel und an die Fans – die haben heute unser Team zusätzlich angeheizt!“, kommentiert Teammanager Bründlinger die Partie.
Viertel: 17:21, 19:14, 10:16, 19:23
Top Scorer BBU: Ruznic 19, Plut 9, McNutt 7



