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Von Brooklyn nach Salzburg

November 4, 2015

Er hat nich nur eine interessante Lebensgeschichte zu erzählen, sondern ist mittlerweile auch motivierter Landesliga und U16 Coach der BBU Salzburg: Gene Douglas Baldenko. Wo die Wurzeln des gebürtigen US-Amerikaners liegen und wie er zum Basketballsport kam, lest ihr im folgenden Interview!

 

Coach Baldenko, du gehst in deine zweite Saison mit dem Landesliga-Team der BBU

Salzburg. Letzte Saison war schwierig, am Ende habt ihr nur den letzten Platz belegt und die Vorherrschaft in Salzburg in dieser Liga verloren. Was waren die Probleme, was muss sich diese Saison ändern, und was sind diesmal deine Ziele?

 

Die Probleme im letzten Jahr waren, dass wir ein neues Team waren, das aus meiner Sicht zu Beginn nicht besonders motiviert war. Die Spieler mussten viel lernen und haben auch lange Zeit nicht gut zusammen gespielt. Aber ich glaube am Ende, auch wenn wir nur einen Sieg geholt haben, haben wir uns sehr viel verbessert, weshalb ich mit dem Team, dass sie am Ende geworden sind, glücklich war. Unser Ziel für diese Saison ist zu versuchen diese Liga zu gewinnen. Ich glaube jeder ist recht gut aus der Sommerpause zurückgekehrt, auch haben wir ein paar neue Gesichter. Viele Jungs sind in besserer Form zurückgekommen, da sie wissen, wieviel wir rennen müssen. Ich bin soweit sehr zufrieden mit dem Team in der Preseason.

 

Nachdem du deine B-Lizenz als Trainer bekommen hattest, hast du auch die U16 für diese Saison übernommen. Wird es dort ein anderes Training mit den jüngeren Spielern geben? Und was für Pläne hast du mit ihnen?

 

Für sie ist mein Hauptziel, dass sie sich in ihren Fähigkeiten und ihrem Basketball-Verständnis weiterentwickeln. Momentan sind dort viele große, junge Kinder. Ich mag sie sehr, aber sie müssen sich als Menschen finden. Ich habe keine "Superstars" in der U16, also arbeite ich einfach an ihren Fähigkeiten, Dribbling, Passen etc. Am Wurf arbeite ich wenig; das kommt von selbst, weil das alle Kinder gerne tun. Hauptsächlich will ich sie bereit machen für den nächsten Schritt zur U19. Einige von ihnen werden in Zukunft hoffentlich als Profis spielen. Ich freue mich auf eine schöne Saison mit ihnen, auch weil ich schon keine Kinder mehr gecoacht habe. Der Unterschied im Training ist der, dass ich viel weniger fluchen werde (lacht), sie nicht so hart rannehme wie ich es mit der Landesliga-Mannschaft tue und auch anderweitig ihr Alter natürlich berücksichtige.

 

Mit Michael Thaurer hast du einen deiner Landesliga-Spieler als Cotrainer für die U16 an deiner Seite. Fühlt es sich nicht ein wenig seltsam an, einen deiner Spieler, dem du normalerweise Anweisungen gibst, gleichzeitig als Assistenten zu haben?

 

Nicht wirklich; ich wollte ihn als Assistenten. Ich habe mit dem Verein gesprochen, ob ich ihn als Cotrainer haben kann, und er ist derjenige den ich wollte. Er wird auch hier Anweisungen von mir als Headcoach erhalten. Aber ich gebe ihm etwas mehr Freiheiten mit seiner Funktion, weshalb ich ihm zu Saisonbeginn die ersten 15-30 Minuten für das funktionale Aufwärmen etc. lasse. Auch ist es schön ihn zu haben, da er ein sehr respektvoller Spieler ist, und als Coach hat er viele gute Fragen. Ich glaube, es ist ein guter Schritt nach vorne für ihn, da er Dinge lernen wird, die ihm als Spieler helfen und es gibt Dinge, die er als Spieler gelernt hat, die er nun als Coach weitergeben kann, weshalb es eine Win-win-Situation für uns beide ist. Ich bin sehr froh ihn an Bord zu haben!

 

Du bist ein gebürtiger Amerikaner, kommst aus Brooklyn, DEM Ort des US-Basketball. Wie bist du zum Basketball gekommen, warum wurdest du Coach, und was war dein größter Erfolg bis jetzt?

 

Naja, New York ist natürlich der Ort von dem wir denken, dass er das Epizentrum von allem ist, auch von Basketball. Aber ich glaube es gibt ein paar Spieler in Indiana und Kentucky die vermutlich aufgebracht wären wenn ich das sagen würde. Aber ich bin sehr stolz, dass ich aus Brooklyn komme. Allerdings würde ich mich durch meine Wurzeln eher als Puerto-Ricaner bezeichnen, auch wenn sie Amerikaner sind. Als ich in Brooklyn aufgewachsen bin habe ich lange kein Basketball gespielt. Ich habe Baseball gespielt, außerdem mochte ich auch American Football und Fußball. Ich wurde irgendwie durch meinen Vater dazu gezwungen Basketball zu spielen, da er den Sport liebte und er sagte ich würde gut darin werden. Und er musste mich wirklich dazu drängen, aber in meinem zweiten Jahr fing ich an das Spiel zu lieben. Ich habe dann vier Jahre in der Highschool und vier Jahre am College gespielt, allerdings haben mich die Vorschriften vergrault. Es hat mir nicht sonderlich viel Spaß gemacht, und es wundert mich, dass es auch hier bestimmte fragwürdige Regeln der Verbände etc. gibt.

 

Ich habe auf dem College Kinder zwischen sechs und zehn Jahren gecoacht, was mir viel Spaß bereitet hat. In Brooklyn hatte ich mein eigenes Team mit drei Spielern für entsprechende Turnieren. Außerdem habe ich alle Kinder aus meiner Nachbarschaft trainiert, die Tipps für Basketball wollten, da ich jeden Tag zwischen 2-18 Stunden draußen war – einfach Basketball spielen. Ich coache also schon mein ganzes Leben. Was meine Familie angeht war mein Großvater einer der ersten Coaches und Besitzer der "Quebradillas Piratas" in der puerto-ricanischen BSN, weshalb es einfach in meinem Blut steckt. Mein Ziel ist es, auf Profi-Niveau zu coachen, und hoffentlich trainiere ich eines Tages auch mal die Piratas. Davor möchte ich aber hier in Österreich erfolgreich sein.

 

Meine größte Leistung als Coach bislang war es, ein Team aus der Kreisliga in Deutschland in die Oberliga zu führen. In meiner ersten Saison hatten wir drei und in meiner zweiten zehn Siege. Damals hätten wir aufsteigen sollen, allerdings haben wir am Ende einen Dreiervergleich verloren. Dafür haben wir die Saison darauf die Liga dominiert und 16 der 18 Spiele gewonnen. Als Coach war das mein größter Moment, aber ich bin auch stolz darauf, dass mich noch immer Spieler von früher anrufen und mich um Rat fragen, mich immer noch "Coach" nennen und immer noch wollen, dass ich sie trainiere. Hoffentlich habe ich so etwas wie eine Basketball-Familie aufgebaut die mir das Leben über folgen werden. Und auch jetzt in der Landesliga kontaktieren mich in einige Spieler immer und fragen nach Tipps. Das macht mich glücklich, denn für mich ist ein Coach ein Lehrer, und das wollte ich immer sein. Ich hätte zwar niemals gedacht, dass ich mal hier landen würde, aber ich bin froh jetzt hier zu sein und jungen Leuten weiter zu helfen. Hoffentlich werde ich auch mal Frauen coachen. Ich will meine Spieler einfach besser machen und sie können das, was ich ihnen beibringe, auch außerhalb des Basketballs brauchen: als Team gut zusammenarbeiten, Teil einer Einheit zu sein, aber gleichzeitig ein Individuum zu sein.

 

Du hast es ja schon gesagt: du hast familiäre Wurzeln in Puerto-Rico. Wie sehr prägt dich die als leidenschaftlich wahrgenommene lateinamerikanische Mentalität?

 

Ein Latino zu sein hat mich definitiv sehr beeinflusst. Es ist ganz lustig: als ich dort gespielt habe, war ich immer die hellhäutigste Person in meinem Team, weshalb ich mir immer viel Mist anhören musste. Immer wenn wir angefangen haben zu spielen hat mich jeder gefragt "Wo kommst du her?" "Wie sieht deine Familie aus?" "Wer bist du?" Ich habe einfach anders gespielt; nicht so roboterartig wie vielleicht ein paar meiner Mitspieler. In Puerto-Rico gibt es überall Basketballplätze. Ich meine richtige, große Plätze mit Tribünen für Fans und Dächern damit man bei Regen spielen kann. Es ist ein kleines Land, aber sie haben eine super Liga und sie lieben das Spiel; dort wird immer gespielt. Mein Hintergrund hat mich sehr dazu gedrängt das Beste aus mir rauszuholen, denn ich hatte eine große Familie und jeder drängt einander dort und man geht sich gegenseitig viel auf die Nerven, aber wenn du etwas gut machst, dann bekommst du eine Menge Unterstützung. Und das habe ich gelernt.

 

Bei Arbeit und zwei Basketballteams wird vermutlich nciht viel Freizeit übrig bleiben. Was machst du wenn du mal ausruhen möchtest?

 

Ich ruhe mich nicht aus, aber ich liebe es bei meinem vierjährigen Sohn zu sein und so viel wie möglich mit ihm zu machen. Ich passe auf ihn auf zwischen Feierabend und Training auf. Leider habe ich sehr wenig Zeit für meine Frau. Hoffentlich kann ich eines Tages auf höchstem Level coachen und genug Geld damit verdienen, dann kann meine Frau aufhören zu arbeiten und wir können bequem damit leben; dann kann ich auch Zeit mit meiner Familie verbringen. Aber ich werde mich nie ausruhen.

 

Bevor du nach Salzburg gegangen bist hast du wie erwähnt ein Team in München trainiert. Dort war ja neulich erst das Oktoberfest. Bist du jemals dort gewesen, oder steht das noch auf deiner To-Do-Liste?

 

Natürlich bin ich dort gewesen. Ich bin 2009 zwei Tage vor der "Wiesn" dorthin gezogen; selbstverständlich musste ich da hin. Es war eine seltsame Erfahrung, vor allem beim ersten Mal. Entweder liebst du es oder du hasst es. Ich bin nicht der größte Fan davon, aber ich gehe gerne in die Fahrgeschäfte, das erinnert mich an Coney Island in Brooklyn, weshalb ich gerne ins Riesenrad und in die Geisterbahn gehe und sowas. Aber ins Zelt zu gehen und mich zu betrinken? Nein danke.

 

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