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Spieler, Trainer, Hallensprecher - what else?

January 2, 2016

Lorenz Ruppert ist ein Typ. Ein Typ mit eigenem Kopf, der sein Ding durchzieht. Und er ist ein Basketballverrückter. Der Masterstudent der Psychologie hat sich in den letzten zwei Saison zu einem wichtigen Puzzleteil der BBU-Familie gemausert.

 

Lorenz, du hast letzten Sommer deine C-Lizenz gemacht und im Oktober als U12-Trainer an der Seite von Waldemar Hekl angefangen. Wie war der Beginn als neuer Trainer?

 

Ganz neu war das Trainieren von Leuten für mich nicht. In meinem Heimatort in

 

Deutschland habe ich ein paar Freunde, mit denen ich hin und wieder spiele. Bevor ich nach Salzburg kam, haben wir fast jeden Tag stundenlang bei mir auf dem Hof gespielt und uns gegenseitig trainiert und motiviert. Aber das ist natürlich anders und nicht so professionell gewesen wie in einem Verein, in dem wir aufgrund der ländlichen Lage und der weiten Distanzen eigentlich nie waren. Der Übungsleiterkurs war dann eine super Gelegenheit. Einerseits konnte ich als Spieler Übungen lernen und mein Trainingswissen deutlich verbessern; ich hatte ja so gesehen keine basketballerische Grundausbildung. Auf der anderen Seite kann ich jetzt anderen Spielern besser helfen. Wissen weiterzugeben hat mir schon immer Spaß gemacht, weshalb ich auch fast Lehrer geworden wäre. Außerdem wollte ich mir die Möglichkeit eröffnen, vielleicht irgendwann mal beruflich als Trainer tätig und damit erfolgreich zu sein – wenn es schon als Spieler nicht klappt.

 

Das Traineramt habe ich also liebend gerne übernommen. Da hänge ich mich auch ziemlich rein. Es ist anfangs natürlich schon was anderes, wenn du vor 15 Kindern stehst und ihnen Basketball beibringen sollst, besonders, wenn das fast alles noch Anfänger sind. Aber man gewöhnt sich schnell daran. Und es macht auch so unglaublich viel Spaß! Außerdem hat Waldemar ja Unmengen an Erfahrung, was die gemeinsame Trainingsgestaltung leichter macht und ich kann so unfassbar viel von ihm lernen.

 

Welche Ziele verfolgst du mit der U12? Worauf liegt der Fokus für diese Saison?

 

Essentiell sind in dem Altersbereich die Grundlagen. Wir haben in der U12 fast nur Anfänger, denen man erst mal zeigen muss, wie Basketball überhaupt aussehen soll. Die individuelle Ausbildung steht hier zunächst im Vordergrund: Ballhandling, Passen, Korbleger, Werfen,.... Daran arbeiten wir auch sehr hart. In dem Alter ist die motorische Lernkurve an ihrem Höhepunkt, außerdem müssen die Basics jetzt gelernt werden, da auf diesen im weiteren Verlauf aufgebaut werden muss. Aber man sieht stetig die Entwicklung.

 

Wir haben also kein Saisonziel im Sinne eines Tabellenplatzes. Die Kinder brauchen Spielerfahrung und die Möglichkeit, sich mit anderen messen zu können, auch um für sich selbst zu sehen wo sie stehen. Wenn wir dabei gewinnen ist das natürlich ein schöner Nebeneffekt, aber der Fokus liegt eben auf der individuellen Ausbildung.

 

Wenn du nicht gerade die U12 betreust, trainierst du mit den Herren der Landesliga. Was sind hier deine Ziele und Erwartungen an die Saison?

 

Da gibt es nur eine Antwort: ich will mit meinen Jungs den Titel holen! Alles andere wäre gelogen. Dafür müssen wir aber noch eine Menge an uns arbeiten und endlich mal das umsetzen, was von uns verlangt wird. Wir trainieren hart und geben im Spiel immer alles. Trotzdem stehen wir uns selbst noch zu sehr im Weg, besonders wenn es um unsere Offensive geht. Wir haben durchaus das Potential für den Titel – nur müssen wir das auch mal abrufen.

 

Nicht nur als Trainer und Spieler bist du für die BBU im Einsatz, auch bei den Bundesligaspielen heizt du den Fans als Hallensprecher ein. Diesen Job machst du in deiner zweiten Saison. Warst du nervös, als du das erste mal gesprochen hast? Und was gefällt dir daran?

 

Nervosität ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort. Ich habe an sich kein Problem damit, vor Menschenmengen zu sprechen. Aber du kannst das ja nicht wirklich üben: du stehst da unten und plötzlich musst du alles regeln, das Spiel verfolgen, dich um die Technik kümmern und die Zuschauer mitnehmen. Die ersten Male war es etwas holprig, aber man kriegt recht schnell den Dreh raus. Bloß mit der Soundanlage in der Halle werde ich vermutlich immer auf Kriegsfuß stehen.

 

Was machst du, wenn du nicht gerade auf dem Feld oder an der Seitenlinie stehst? Wie sieht ein Tag in deinem Leben aus?

 

Das ist sehr unterschiedlich. "Hauptberuflich" bin ich Student der Psychologie im Masterstudium. Jetzt bin ich im letzten Studienjahr, da geht es – vergleichsweise – etwas ruhiger zu als die Jahre zuvor. Damals war alles schon recht extrem, heute bleibt auch mal Zeit für Unifernes. Generell beschäftige ich mich viel mit Basketball: ich sehe mir Spiele an, hole mir Ideen für Übungen, die ich als Spieler und als Trainer verwenden kann, engagiere mich für die BBU,.... Aber wenn man mal ganz vom Sport weggeht, liebe ich es, in der Natur spazieren zu gehen. Ebenfalls spielt Musik eine enorm wichtige Rolle in meinem Leben, auch singe ich gerne – wenn nicht unbedingt besonders gut (lacht). Darüber hinaus bin ich politisch sehr interessiert. Ansonsten mache ich natürlich gerne auch was mit Freunden, oder spiele mal an meinem guten alten Gamecube.

 

Neben deinen Tätigkeiten für die BBU studierst du also Psychologie und möchtest danach in den Bereich Kinder und Jugendliche gehen. Könntest du dir vorstellen den Basketball und deinen Beruf zu verknüpfen?

 

Wer möchte nicht sein Hobby zum Beruf machen? Klar! Als Sportpsychologe wird man mich aber vermutlich nicht sehen, da die Arbeitssituation hier leider sehr schlecht ist. Beruflich muss ich erst mal schauen wie es weitergeht: zwar möchte ich eine Psychotherapeutenausbildung im Kinder- und Jugendbereich machen, allerdings wohl nicht sofort nach dem Studium.

 

In der Tätigkeit als Trainer greift man automatisch auf das psychologische Wissen zurück: jedes Kind ist einzigartig und benötigt einen individuellen Umgang. Man arbeitet zudem in beiden Bereichen mit Menschen und ihrem Verhalten. Wichtig ist der Grundsatz „Fördern und Fordern“, damit das Kind immer zu Höchstleistungen angespornt ist, aber auch Korrekturen in der Technik sowie neue Bewegungen annimmt und umsetzt. Und hier sind eben nicht alle Kinder gleich sondern sie lassen sich durch unterschiedliche Dinge motivieren, oder sie brauchen länger oder einen anderen Zugang, um neue Dinge zu lernen und umzusetzen.

 

Was wäre dein größter Traum im Bezug auf den Basketball?

 

Man hat immer Träume, gerade im sportlichen Bereich. Aber ich muss leider doch sehr bezweifeln, dass ich es noch in die NBA schaffe (lacht). Je nachdem, wie es nach dem Studium mit mir weitergeht, wäre es aber schon eine schöne Sache, wenn ich es vielleicht mal als solider Spieler in eine Liga mit regelmäßigen Spielen und ein paar Zuschauern schaffen könnte. Langfristig wäre auch eine Karriere als Profi-Coach sehr reizend, aber das würde noch lange dauern. Dafür bräuchte ich erst mal die nötigen Lizenzen, vor allem aber jede Menge an Erfahrung, die es noch zu sammeln gilt.

 

Einen kleinen Traum, den ich mir aber schon erfüllen konnte, war Dirk Nowitzki einmal live spielen zu sehen. Im Sommer war ich in Berlin und habe mir zwei EM-Spiele der Deutschen angesehen. Auch wenn es besser hätte laufen können – sowohl für das Team als auch für ihn – war das für mich unglaublich. Der Mann ist für mich ein absolutes Idol. Was habe ich 2011 mit ihm mitgefiebert...ich habe fast jedes Spiel in den Playoffs live gesehen. Und als dann endlich klar war, dass er seinen Ring bekommen würde, da hatte ich doch ein bisschen Pipi in den Augen.

 

Da gerade Weihnachten und Silvester war - was hast du dir vom Christkind gewünscht und wie schauen deine Neujahrsvorsätze aus?

 

Zu Weihnachten fällt es mir traditionell extrem schwer einen Wunsch zu äußern, da ich recht bescheiden bin und immer glaube eigentlich alles zu haben. Wichtiger ist mir das Beisammensein mit der Familie und die ganze Atmosphäre. Glück, Gesundheit und berufliche Gewissheit für das neue Jahr wären aber schön. Neujahrsvorsätze mache ich eigentlich keine, weil es keinen bestimmten Zeitpunkt braucht um sich oder etwas zu ändern. Allgemein möchte ich noch disziplinierter beim Training außerhalb der Trainingszeiten sein, was besonders Krafttraining betrifft. Auch bin ich momentan dabei, mich immer bewusster und gesünder zu ernähren; das möchte ich fortsetzen.

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