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Der Kapitän sagt leise „Servus!“

May 29, 2017

Seit Gründung der Basketballunion Salzburg im Jahr 2005 ist Jasmin Tomas der Fels in der Brandung. Oder war es. Beim letzten Playoff-Spiel in Salzburg nahm der Kapitän der Bundesligamannschaft Abschied.

 

Es ist 18:25 Uhr, die Stimmung in der Sporthalle Liefering erreicht ihren Höhepunkt: die Mannschaft der BBU Salzburg läuft auf. Dazu

läuft laut der Klassiker der White Stripes, „Seven Nation Army“. Trotz der Osterfeiertage finden immer noch gut über 200 Zuschauer den Weg in die Halle und jubeln den Jungs zu. Gänsehaut für jeden Sportler. Mit dabei Jasmin Tomas, Kapitän der Zweitligamannschaft. Das Saisonziel – die Playoffs – sind erreicht. Dabei trifft man in Spiel zwei auf die Tabellenführer aus Mistelbach, die eine bärenstarke Saison gespielt haben. Auch wenn sich die Salzburger im ersten Spiel teuer verkauft haben, so ist die Chance auf einen Sieg an diesem Abend gering und die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dies heute das letzte Spiel der Saison sein wird. Aber nicht für alle.

 

Loyalität über Alles

Für Jasmin Tomas ist es das letzte Spiel im Dress der Blau-Orangenen. Seit zwölf Jahren spielt er nun schon Basketball in Salzburg. Es ist im Sport keineswegs selbstverständlich, so lange bei ein und derselben Mannschaft zu spielen. Besonders im Basketball ist die Spielerfluktuation in der Regel hoch; kaum jemand bleibt länger als ein oder zwei Jahre. „Gedanken an Wechsel oder Ähnliches hatte ich nur in der Zeit mit 17 und einmal mit 22 Jahren.“ Damals gab es Überlegungen nach Übersee auf eine High School oder ein College zu wechseln, doch Loyalität ist für ihn nicht nur im Sport wichtig. „Die Familie wollte eher, dass ich hier bleibe, da sie sehr eng verbunden ist mit mir.“ Ein bisschen Wehmut klingt in seinen Worten. Zwar steht er zu seinen Entscheidungen, doch es nie versucht zu haben und die Chancen auszuloten, das nagt dann doch irgendwo.

 

Aller Anfang ist schwer

18:30 Uhr. Sprungball! Mistelbach in Ballbesitz. Der Kapitän zunächst auf der Bank. Was mag jemandem bei so einem, in mehreren Aspekten, besonderen Spiel im Kopf vorgehen? Liegt da der Fokus ganz auf dem Spiel? Oder kommen einem in den letzten Minuten noch einmal die ersten Anfänge vor Augen?

Tomas kam erst mit sehr späten 14 Jahren zum Basketball, und das nicht einmal ganz freiwillig: „Mein Vater hat gesagt ich muss mich zwischen Handball, Fußball und Basketball entscheiden.“ Nachdem damals Basketball-Sammelkarten der absolute Renner waren und Spieler wie Michael „Air“ Jordan oder Earvin „Magic“ Johnson die Jugend mit feinen Pässen und krachenden Dunkings beeindrucken konnten, war es am Ende Halleins Basketball-Urgestein Gunther Abel, der ihn in einer Art Probetraining in der Schule vom orangenen Leder überzeugen konnte. Doch der späte Einstieg in eine der komplexesten Sportarten der Welt machte sich schnell bemerkbar. „Es war sehr schwierig für mich mit den anderen mitzuhalten, da es fast nur Spieler gab, die schon ein paar Jahre gespielt hatten und sehr gut waren. Nach ein paar Monaten wollte ich deshalb wieder aufhören.“ Letztlich ist es dem Amerikaner Randy Douvier zu verdanken, dass er wieder anfing. Douvier hat in den achtziger Jahren lange Zeit in Österreich gespielt. Die ganze Familie wurde vom Basketball-Fieber infiziert; so spielen alle fünf Kinder, Sohn Bryant früher sogar für die österreichische Nationalmannschaft. „Er hat mich damals motiviert. Dass ich Fähigkeiten habe wie Athletik, die sonst keiner in der Mannschaft hatte, auch österreichweit nicht. Und dass ich körperlich gesehen gute Voraussetzungen habe.“. Gewisse Sachen ließen sich nicht mehr einholen, trotzdem wollte er aus sich das Bestmögliche herausholen. Und schaffte es bis in die zweite Bundesliga.

 

Ein unscheinbarer Kapitän

Es läuft die sechste Spielminute. Salzburg liegt mit 13:22 hinten. Auszeit! Der Kapitän betritt das Spielfeld. Zeit sein Können unter Beweis zu stellen und dem Team zu helfen. Ein Blick in die Statistik wirft aber eine berechtigte Frage auf: wie? Tomas weißt nicht die stärksten Werte auf, allemal Durchschnitt. Seine Punkteausbeute ist normalerweise auch eher überschaubar. Im Ligavergleich noch ein Top-50 Rebounder. Seine Aufgaben sind aber nicht die Punkte. Ein Spiel mit über 30 Punkten so wie damals in der U18 wird man heute nicht erwarten können. Er ist eher der Mann für die Spezialaufgaben. Für die Dinge, die am Ende in keiner Statistik auftauchen. Zum Beispiel einen bestimmten Gegenspieler unter Kontrolle zu halten. „Ich spiele mehr unter dem Korb als sonst wo. Dann vor allem gegen große Spieler mit 2,05m und mehr, was mit 1,94m natürlich sehr schwierig und vor allem kräftezehrend ist. Aber ich bin offen für alles was der Coach von mir will.“ Vor allem aber seine Emotionen können einen Unterschied machen. So wird sich durchaus mal laut geärgert, wenn ein Wurf nicht fällt. Oder auf der Bank gebrüllt wenn es nicht gut läuft. Aber seine Mannschaft nach vorne zu peitschen ist ein wichtiger Aspekt, besonders als Kapitän. „Ich weiß nicht, ob ich ein guter Kapitän war, aber ich habe mich sehr bemüht! Es ist schon anstrengend, aber es macht auch sehr viel Spaß. Letztendlich fühle ich mich geehrt, dass ich Kapitän dieser Mannschaft sein durfte.“

 

Seit zwölf Jahren Stammkraft

Halbzeit. Salzburg liegt 37:53 hinten. Durchatmen und das Spiel analysieren. Während der Nachwuchs auf das Spielfeld rennt um sich auszutoben und ein bisschen Bundesligaluft zu schnuppern, noch einmal Zeit die eigenen Gedanken zu sortieren. Noch einmal Zeit, um die letzten Jahre Revue passieren zu lassen. 1952 gründete sich der UBBC, nachdem amerikanische Besatzungssoldaten den Basketballsport nach Salzburg brachten. Unter Leitung von Waldemar Hekl fusionierte dieser 2005 mit der ULG Salzburg zur heutigen Basketballunion. Damals stieß auch Jasmin Tomas in die Kampfmannschaft, und hielt ihr seither die Treue. „Die Gründungszeiten waren sehr hart!“ erinnert er sich. „Wir mussten damals für Extra-Trainings selber zahlen, weil einfach das Geld und die Hallen nicht da waren. Der Verein hat damals das Bestmögliche daraus gemacht, weshalb es seither stetig besser geworden ist. Mit der Beheimatung in der Sporthalle Alpenstraße, in der wir normalerweise unsere Heimspiele bestreiten, wurden die Strukturen besser, auch ist mehr Platz für Zuschauer da.“ Bis heute besteht allerdings das Problem, dass es in Salzburg praktisch keine Basketballprofis im Sinne eines Hauptberufs gibt. Geld spielt also noch immer eine entscheidende Rolle. Anders als europäische Topclubs im Fußball wie Real Madrid oder Manchester United muss der Verein natürlich sorgsam mit seinem Geld umgehen und daraus das Optimum herausholen. „Es ist einfach schwierig die Balance zu finden zwischen der Anzahl der Trainings, wo einige Spieler gerne mehr trainiert hätten, und dem Berufsleben, das fast alle nebenher führen. Mit vier Trainings pro Woche haben wir aber einen guten Mittelweg gefunden.“

 

Loyalität Mangelware

Das dritte Viertel beginnt. Wie lässt sich das Spiel noch drehen? „In den letzten Jahren habe ich vor allem gelernt was es braucht um Spiele zu gewinnen. Entscheidend dabei ist eine gute Teamarbeit!“ Um diese vollbringen zu können, muss im Vorfeld aber erstmal ein Team entstehen. „Es ist immer spannend, wenn man neue Mitspieler bekommt. Aber es ist auch sehr anstrengend sich immer wieder neu zu finden.“ Schon immer war es im Basketball schwierig, sich einen Mannschaftskern aufzubauen, der die Jahre überdauert und um den ein Team gebildet werden kann. Auch bei der BBU sieht man fast jedes Jahr einen zum Teil stark veränderten Kader. „Und fehlt dieser Kern aus sechs bis sieben Spielern. Nur Lorenz Rattey, Dominik Gross, Christian Joch und ich waren fast immer da. Eine Saison ist gerade genug Zeit sich kennenzulernen. Echte Früchte trägt man eigentlich erst ab dem zweiten Jahr.“ Auch die hohe Trainerfluktuation – diese Saison hatte man zwei verschiedene Trainer – sowie zu wenig Nachschub aus dem Nachwuchs machen es der Mannschaft nicht leichter, voran zu kommen. Lediglich zwei Spieler aus der U19 konnten in den Hauptkader aufrücken. „Das ist zu wenig. Besser wäre es, wenn da sechs oder sieben junge Leute kommen die sich den großen Männern stellen und sich beweisen wollen.“ Doch findet sich erstmal ein größerer Kern an Spielern der bleiben will und nicht gleich zum Saisonende in die Heimat fährt, dann könnte laut Kapitän etwas gehen.

 

„Ball is life“

Furios starten die Mozartstädter eine Aufholjagd gegen Mistelbach, rücken Punkt um Punkt heran. So macht Basketball Spaß! „Ich liebe an Basketball, dass sich ein Spiel so schnell ändern kann, dass so schnell so viel passieren kann.“ Sportliebhaber sprechen hier gerne vom sogenannten Momentum: unabhängig vom Spielstand einer Situation einen Stempel aufzudrücken und das Spiel an sich zu reißen. „Teamarbeit, Athletik, die Möglichkeit Ehrgeiz und Willen zu zeigen: das macht Basketball aus.“ Aber dieser Sport ist mehr als nur das Auf- und Abrennen mit einem orangenen Lederball. Es ist eine Lebenseinstellung, ein Gefühl, fast schon eine Religion. „Jeder der mich kennt weiß, dass Basketball bei mir einen enorm hohen Stellenwert hat.“ So hoch, dass selbst Familie und Ärzte ihn nicht vom Spielen abhalten konnten. Auch nicht nach schwersten Verletzungen, die Tomas immer wieder zurückwarfen. Besonders die Knie sind betroffen – eine Basketballkrankheit. „Es ist beachtlich, dass er die letzten Jahre noch gespielt hat, obwohl er durch Verletzungen immer wieder zurückgeworfen wurde“, staunt Teamkollege Lorenz Rattey – neben Tomas' Fähigkeit, ein halbes Spanferkel verdrücken zu können. Stellenweise abgenutzte Gelenke sind das Opfer, das man dem Basketballgott in der Kirche mit Parkettbogen darbringt. „Es ist wie im echten Leben: du hast in diesem Sport deine Höhen und Tiefen. Es geht nicht nur um das Gewinnen, sondern um die Emotionen. Um hartes Arbeiten. Trainieren. Freundschaften bilden. Fans zu begeistern. Basketball ist ein Teil von mir. Ich war zwar nie Vollprofi, aber werde dem Sport immer verbunden bleiben, auch in meiner Freizeit.“ Ein eigenes Ziel hatte er dabei aber nie. Groß träumt man immer in jungen Jahren, aber am Ende ging es nur darum, das Team und den Verein mit bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen.

 

Dauerthema Geld

Basketball lebt auch in Salzburg. Zugegeben keine Metropole und nicht zwingend bekannt für große Spieler. Aber auch hier gibt es viele Menschen, durch deren Adern orangenes Blut fließt. Schlendert man an einem sonnigen Tag durch die Parks, so kann man oft beobachten, wie Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene ihren Idolen nacheifern. Obwohl gute Plätze praktisch nicht vorhanden sind – abgesehen vom noch relativ neuen Freiplatz in Nonntal den man mieten kann – lebt die Community, von der auch Tomas ein großer Teil ist. WhatsApp-Gruppen wurden erstellt, auf Facebook wurde sich verabredet. „Insgesamt sind Salzburg und Oberösterreich aber recht eng beieinander.“ So spielt Salzburgs Nachwuchs zusätzlich im Nachbar-Bundesland mit. Auch organisiert Robert Fürtauer regelmäßig diverse Turniere für Erwachsene, wo sich Spieler kennenlernen. Dabei finden sich immer wieder Leute, die durchaus in der zweiten Liga mitspielen könnten, aber nun mal andere Prioritäten haben. „Profi zu werden bedeutet Zeit zu opfern. Es ist eine Entscheidung, die man machen muss, zu der man dann aber auch stehen muss“, so der Hinweis an alle Basketballverrückten, die hierüber nachdenken. „Als Martin Schubert und Matthias Weissl vom College zurückkamen, da habe ich gesehen, was viel Training bedeutet, und welche Opfer man bringen muss.“ Vor allem aber gilt es, den richtigen Zeitpunkt für einen Wechsel zu einem besseren Verein oder einer besseren Liga zu treffen. „Lieber ein oder zwei Jahre länger auf einem gewissen Niveau spielen und dort viel Spielzeit bekommen, anstatt zu einem Topclub oder in eine Topliga zu wechseln und dort nur zwei Minuten zu bekommen.“

Dann reicht es vielleicht auch mal für die Nationalmannschaft. Einige Spieler durfte Tomas davon schon kennenlernen und gegen und mit ihnen spielen. Leider hat es 2016 wieder nicht gereicht, formschwache Deutschland und überraschend starke Niederländer in der EM-Qualifikation hinter sich zu lassen. „Hoffentlich klappt es bald mal mit einer EM-Teilnahme. Das ist eine gute Mannschaft, aber es fehlt einfach etwas das Glück, und die Jungs werden ja auch älter.“ Um in die NBA zu kommen, dafür stehen die Chancen in Österreich eher schlecht. „Es gibt durchaus Talente, aber die Strukturen fehlen. Da braucht es mal ein richtiges Programm, wo auch der Staat mal mitanpackt.“ Jakob Pöltl, der als erster Österreicher mit den Toronto Raptors für Furore sorgt, sind da absolute Ausnahmen. Doch mit Spielern wie Luka Brajkovic aus Dornbirn haben die nächsten Talente schon die beste Liga der Welt, die NBA, im Visier. Es fehlen einfach die Voraussetzungen. Auch müssten die ersten beiden Bundesligen insgesamt stärker werden, um herausfordernder zu werden.

 

2009 war Jasmin Tomas auf dem Titelbild des „BUZZER“, dem leider schnell wieder eingestellten Magazin zur Förderung des Salzburger Basketballs. Blättert man online etwas in dem Magazin, so ist eine pure Aufbruchsstimmung zu spüren, fast schon eine Euphorie. Ganz Europa war plötzlich infiziert vom Basketballvirus wie damals in den 90ern zu Zeiten von Michael Jordan und den kaum zu bändigenden Chicago Bulls. „Hätten wir damals, also 2009, noch ein oder zwei gute Spieler holen können, dann hätte da was gehen können! Aber das Geld hat einfach gefehlt, und dabei braucht es eigentlich nicht viel Geld.“ Trotz vieler Bemühungen ist diese Welle mittlerweile größtenteils verebbt, Pöltl kaum ein Thema. Auch in Salzburg tut man sich heute schwer, musste man vor zwei Jahren schon um professionelle Korbanlagen mit der Stadt kämpfen. Auch die Sponsorensuche ist immer ein heikles Thema. Trotz hoher Reichendichte und durchaus potenten Firmen fehlt aus unbekannten Gründen das Interesse von Politik und Wirtschaft. „Mein Eindruck ist, dass die Salzburger Politik den Sport nur bedingt ‚nutzt‘. Seit sieben Jahren haben wir zudem keinen Hauptsponsor, was für mich unverständlich ist. Bestimmte Firmen könnten es sich vergleichsweise mit wenig Geld leicht leisten, auf eine der Weltsportarten mit aufzuspringen. Schließlich ist die BBU Salzburg der einzige Verein auf diesem Niveau im gesamten Bundesland“, so Obmann Harald Bründlinger.

 

Der Anfang vom Ende

Das letzte Viertel beginnt. 57:74 liegt Salzburg hinten. Die Aufholjagd nach der Halbzeit konnte nicht ausreichend genutzt werden. Es ist nun fast schon sicher, dass dies die letzten zehn Minuten der Saison werden. Und dann? Tomas hat einen Plan. Leider. „Vor drei Monaten kam die Überlegung, die BBU zu verlassen. Meine Eltern haben sich dazu entschlossen in unserer Heimat in Bosnien ein großes Objekt, dass seit 16 Jahren im Familienbesitz ist, zu übernehmen.“ Gute 600m² ist es groß und soll vor allem bei Hochzeiten Platz für bis zu 600 Leuten bieten. Anders als in Österreich wird im Südosten Europas oft früh geheiratet und sehr groß gefeiert. „Da kamen dann schon Überlegungen, was ich beruflich will. Aus einer Überlegung wurde dann irgendwann ein Plan, und schließlich musste eine Entscheidung her.“ Auch wenn Bosnien nicht unbedingt zuerst in den Sinn kommt, wenn es um Auswandern geht, so haben verschiedenste Aspekte, etwa Selbstfindung, Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, ihn am Ende überzeugen können. Umso wichtiger war es ihm, als Kapitän nun noch mehr Verantwortung zu übernehmen und die Saison ordentlich zu beenden.

In den letzten Wochen ist er meist in seiner Heimat gewesen und hat tatkräftig bei der Renovierung angepackt. Trainiert wurde Anfang der Woche dort, Donnerstagmittag fuhr er los um abends in Salzburg zu trainieren, nur um nach den Spielen am Wochenende wieder nach Bosnien zu fahren. „Das war schon sehr, sehr anstrengend. Andere Spieler sagten mir, sie hätten das nicht getan, da wir ja keine Profis im eigentlichen Sinne sind. Aber ich habe mir das einfach in den Kopf gesetzt und wollte das auch nie hinterfragen. Ich war endlich mal nicht verletzt, ich war Kapitän, und meine Arbeit ließ mir diese Freiheit. Es war anstrengend, aber am Ende war es das wert.“

Letztlich wurden aus Monaten Wochen, aus Wochen Tage, und aus Tagen noch vierzig Minuten. „Da wird einem dann die letzte verbleibende Zeit bewusst. Ich habe dem Team vor dem Spiel gesagt, dass das heute vielleicht unser letztes ist. Aber egal wie es ausgeht: wichtig ist, dass wir alles geben und kämpfen, und es auch genießen.“ Leider hatte Tomas selbst nicht seinen besten Tag, was ihn auch ärgert. Er konnte nicht wie seine Lieblingsspieler Miloš Teodosić

Zauberpässe kreieren, oder wie Vince Carter mit seiner Athletik die Korbanlage einer Belastungsprobe aussetzen. Doch gekämpft hat er bis zur letzten Sekunde. Auch wenn nach dem letzten Wurf schon alles entschieden war, wollte ich trotzdem noch den Offensivrebound und das Foul ziehen – und ich habe die Freiwürfe bekommen.“

 

Das Finale

Es sind noch vier Sekunden zu spielen. 79:98 liegt Salzburg hinten. Die Niederlage und das Saisonaus sind besiegelt. Doch wie es einem Kapitän gebührt, obliegt ihm die Ehre des letzten Wurfes. „Den wollte ich auch unbedingt treffen. Nachdem ich den ersten gemacht habe, war das mein Abschluss. Der zweite Wurf war mir dann egal.“ Die Sirene ertönt, der dank allen beteiligten Personen und Institutionen unter „Thank You“ von Dido ausgesprochen. Genauso muss auch Tomas gedankt werden, der immer alles für den Verein gegeben hat. „Als ich mich nach dem Spiel auf die Bank gesetzt habe, habe ich mich natürlich erstmal über die Niederlage geärgert. Dann ist mir aber klar geworden, dass mein letztes Spiel nun vorbei ist.“ Wer sich die Wiederholung des Spiels ansieht erkennt, dass es kein leichter Abschied für den Kapitän ist. „Ich hatte dann auch ein paar Tränen in den Augen, habe mich dann aber zusammengerissen. Denn auf der anderen Seite beginnt ja jetzt auch etwas Neues, etwas Aufregendes.“

 

Neue Horizonte

Ob es das ganz mit Basketball gewesen ist, das darf bezweifelt werden. „Wer mich kennt weiß, dass Basketball bei mir immer irgendwie stattfindet.“ Erstmal gilt der Fokus aber der eigenen Fitness und der gebeutelten Knie, die dem 1,94m-Schrank diese Saison überwiegend milde gestimmt waren. Eine neue Mannschaft ist in der neuen Heimat auch gefunden. Eine junge, hungrige Truppe um die 19 Jahre alt. Dort hat er sich schon einen Namen gemacht als „Jasmin, der mit zwei Bällen dunkt“. Als Coach wird man ihn deshalb wohl nicht so schnell sehen, zumal ihm dafür die nötige Geduld fehle.

Salzburg wird ihm fehlen: seine Familie, seine Freunde, seine österreichische Heimat. Ein Abschied für immer von der schönsten Stadt Österreichs – vorausgesetzt es regnet nicht - wird es aber keinesfalls sein. „Das erlaubt mir meine Mutter nicht. Ich muss sie hier schon regelmäßig besuchen.“ Jetzt liegt der Fokus aber erstmal auf der spannenden, neuen, herausfordernden Zukunft. „Ich freue mich auf die ganzen Hochzeiten. Ich bin verantwortlich für einen der schönsten Erlebnisse im Leben des Brautpaares. Das ist eine Ehre.“ Genauso eine Ehre, wie es war, zwölf Jahre lang für Salzburg größten Basketballverein zu spielen und die letzte Saison als Kapitän bestreiten zu dürfen.

 

Lieber Jasmin, danke für zwölf Jahre vollen Einsatz. Trotz diverser Verletzungen hast du immer alles gegeben und diesen Verein mit nach vorne gebracht. Das ist was Legenden ausmacht: ein Erbe. Hvala!

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