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"Die BBU ist gefühlt mein Baby"

August 15, 2018

Seit vielen Jahren prägte Harald Bründlinger als Obmann die Basketballunion Salzburg, aber auch die regionale und

nationale Basketballwelt. Ende August wird er die BBU etwas überraschend verlassen. Warum, und wie es weitergeht, verrät er im Interview mit Lorenz Ruppert.

 

Harald, seit 2009 hast du als Obmann - bis 2011 noch stellvertretend - die Geschäfte der BBU Salzburg geleitet. Nun verlässt du den Verein. Wie geht es bei dir weiter?

 

Ich werde mit Anfang September beruflich zu einem Verein in die professionelle Basketballwelt wechseln und dort eine interessante und herausfordernde Führungsrolle übernehmen.

 

Wie kam es dazu?

 

Es war schon lange mein Traum durch meine Leidenschaft für den Basketballsport auch einmal meine Rechnungen bezahlen zu können und abgesehen davon baut man sich in so vielen Jahren ein gewisses Netzwerk auf. Eine Person dieses Netzwerks hat mir vor wenigen Monaten diese Stelle angeboten und nach dem Bewerbungsprozess habe ich die Zusage erhalten. Das alles war ziemlich überraschend und kurzfristig und ich habe nicht damit gerechnet. So eine Gelegenheit muss man aber nutzen, sonst blickt man vielleicht einmal zurück und denkt sich ‚hätte ich das damals nur ausprobiert‘.

 

Auf welche Höhepunkte der letzten Jahre blickst du zurück?

 

Puh, das ist sehr schwierig zu sagen. Es gibt viele kleine und große Dinge, die wir zusammen geschafft haben. Viel davon ist für unsere Fans und das Umfeld vielleicht sogar nicht „sichtbar“. Als ich selbst noch gespielt habe war das vor 30 Zusehern in der Josef-Preis-Allee. Jetzt spielen wir vor bis zu 300 Fans in der Sporthalle Alpenstraße - die übrigens in den nächsten zwei Jahren komplett saniert werden soll und dann richtig cool wird - und gehören damit zu den populärsten Vereinen der Stadt. Überhaupt haben regelmäßig nur ein paar Fußballvereine und Eishockey so viele bzw. deutlich mehr Zuseher in Salzburg; wir sind da also ganz vorne dabei und müssen irgendetwas richtig gemacht haben. In den fast zehn Jahren waren es viele Dinge: vom neuen Logo, neue Homepage, Werbetransparent auf der Sporthalle Alpenstraße, gesteigerter Medienpräsenz, Aufbau einer Struktur inkl. Bürokraft, Basketball-Leistungszentrum und und und. Es war eine großartige, aber auch intensive Zeit, denn im Schnitt habe ich übers Jahr mindestens 15 Stunden pro Woche ehrenamtlich absolviert. Ich liebe Basketball und die BBU, aber es zehrt natürlich auch etwas an der Energie auf Dauer, gibt einem aber auch enorm viel zurück auf verschiedensten Wegen. Als ich damals mit 24 Jahren begonnen habe hätte ich mir auf jeden Fall nicht träumen lassen, dass wir gemeinsam so viel erreichen!

 

Die Arbeit als Vereinsleitung in Salzburg ist ja keineswegs dankbar. Mit welchen Problemen bist du konfrontiert gewesen?

 

Alle die in einer ähnlichen Situation bzw. Position sind wissen: für ein „Danke“ darf man ein Ehrenamt nicht ausüben. Im Gegenteil – man steht viel in der Kritik, sowohl intern als auch extern und es werden einem viele Steine in den Weg gelegt, obwohl „man“ doch eigentlich froh sein sollte, dass es engagierte Personen gibt, die ehrenamtlich tätig sind. Ich muss aber sagen, dass mir die Aufgabe über die Jahre extrem viel zurückgegeben hat. Angefangen von unbezahlbaren Freundschaften, einem Netzwerk das mir auch beruflich hilft, viel Erfahrung in allen möglichen Bereichen des Geschäftslebens und so weiter. Ohne die BBU und diese Erfahrungen wäre ich heute nicht da, wo ich bin, und ich kann nur jedem jungen Menschen raten, ein Ehrenamt zu bekleiden. Es formt den Charakter und wird von einem guten Arbeitgeber auch angerechnet bzw. erhöht sogar Jobchancen. Leider erkennen das noch nicht alle Firmen in ausreichendem Maße, es wird aber gefühlt besser. Wichtig ist mir aber noch zu erwähnen, dass es von allen Seiten „einfacher“ gemacht werden sollte für derartige ehrenamtliche Positionen, die ja auch viel Verantwortung und zeitliches Engagement erfordern. Gleich ob Verbände, Ligen, Ämter, Eltern von Spielern und viele mehr – etwas mehr Verständnis und Rücksicht wäre manchmal hilfreich, bzw. es zumindest nicht als selbstverständlich sehen, dass man ehrenamtlich tätig ist. Denn das ist es heutzutage nicht mehr wirklich.

 

Mit dem österreichischen Basketball geht es in letzter Zeit immer weiter aufwärts. Jakob Pöltl hat sich in der NBA etabliert, die MU16 holt den dritten Platz und die WU16 sogar den Titel in der C der EM. Auch in Salzburg tut sich viel, konnte man mit Reichle und Tepic zwei U18-Nationalspieler stellen. Zudem bei der BBU der Vizemeistertitel der MU16 in Oberösterreich, die Zusammenarbeit mit dem Salzburger SSM,...was hat sich verändert, und was muss sich noch verändern?

 

Der Basketball in Salzburg bzw. bei der BBU ist auf jeden Fall in einem langsamen, aber spürbaren Aufwind. Es ist im Westen ja nicht leicht, denn die Basketballwelt ist – zum Teil selbstverschuldet – hauptsächlich im Osten Österreichs zuhause. Trotzdem ist auch in Salzburg noch viel zu tun und österreichweit würde ich einzelne Erfolgserlebnisse, auch wenn sie super sind, nicht als Kriterium für einen generellen Aufwärtstrend sehen. Die Basketballwelt hat sich in einigen Bereichen gut entwickelt und besonders die 2. Liga, die sich zu einem der wichtigsten Bausteine des „Basketballbauwerks“ gemausert hat, auch wenn das einige noch immer nicht erkennen mögen. Alles zusammen gibt es aber noch sehr viele Baustellen und wir sind lange nicht dort, wo wir sein könnten.

 

Du bist noch beteiligt gewesen an der Vorbereitung für die kommende Saison, auch wenn diese noch nicht ganz abgeschlossen sind. Was ist das Ziel für die kommende Saison für die BBU Salzburg?

 

Das Ziel für die Bundesliga muss der Einzug ins Playoff sein. Die Kaderzusammenstellung war bzw. ist wie üblich nicht einfach, aber wenn die Planung halbwegs aufgeht, dann wird das eine interessante Saison werden! Die Liga wird von Jahr zu Jahr stärker und jetzt wird spannend, wie sich die Teams nach dem Wegfall der Nicht-Österreicher-Beschränkung (Anm: die Teams können mit so vielen EU-Ausländern spielen wie sie möchten) aufstellen und welche Auswirkung das auf die Liga und die BBU hat. Dornbirn und wir sind ja die einzigen Vereine, die nicht an ein „billiges“ EU Land angrenzen und daher können wir auch keine günstigen Grenzgänger oder ähnliches verpflichten.

Bei der Jugend ist der Fokus auch klar: ausbilden, ausbilden, ausbilden. Wir wollen junge Menschen für den Basketballsport begeistern und den Talenten die Möglichkeit geben, sich sogar einmal ihren Lebensunterhalt mit ihrem Lieblingssport zu verdienen. Hier machen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten in Salzburg auch einen guten Job, es ist aber natürlich Luft nach oben. Wir werden seit langer Zeit wieder einmal mit der U16 und U19 zwei Teams für die ÖMS melden, das wird hoffentlich auch spannend, und natürlich wieder möglichst viele junge Talente in den 2.BL Kader einbinden. Und die neue Kooperation mit Wels ist ein weiterer wichtiger Baustein im Rahmen der Jugendausbildung.

 

Was wirst du an Salzburg vermissen?

 

Diese Liste ist lang. Salzburg ist eine extrem schöne und friedliche Stadt – wenn auch manchmal etwas zu sehr touristenorientiert - mit einer derart hohen Lebensqualität, von der wahrscheinlich 99 % der Welt nur träumen können. Ich werde einfach die Stadt an sich vermissen, denn sie ist wunderschön und natürlich meine Familie und Freunde, die ich nicht mehr so oft sehen werde. Die BBU ist gefühlt auch mein Baby und auch die wird mir sehr abgehen, aber dank den modernen Medien bin ich ja nicht aus der Welt.

 

Ich möchte mich auf diesem Weg auf jeden Fall bei allen Mitstreitern, Spielern, Eltern, Sponsoren, Partner, Konkurrenten und vielen anderen bedanken, die ich auf dieser Reise kennen lernen durfte und wer weiß, vielleicht bringe ich meine Expertise in der Zukunft ja wieder einmal in den Basketballsport in Salzburg ein!

 

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