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Nachwuchskoordinator Wolfgang Stöglehner im XXL-Interview

September 6, 2018


Unser Nachwuchskoordinator Wolfgang Stöglehner kümmert sich im Hintergrund um die Förderung unserer basketballerischen Zukunft. Erster Teil der Saisonvorbereitung war das alljährliche BBU-Camp. Was dort gemacht wurde und was ihm bei jungen Spielern wichtig ist, verrät er im großen Interview mit Lorenz Ruppert.
 

 

Wolfgang, letzte Woche fand das BBU-Camp statt. Wie lief das Ganze ab? Und worauf hast du den Fokus gelegt?

Ja, wir haben das Camp nun wieder einmal sehr erfolgreich hinter uns gebracht. Insgesamt haben 27 motivierte Kids aus unserem Nachwuchs daran teilgenommen. Das Ziel liegt eigentlich immer auf zweierlei Dingen. Einerseits die Jungs und Mädels aus der sommerlichen Basketballpause wachzurütteln und andererseits alle so gut wie möglich individuell auf die bevorstehende Saison vorzubereiten, sowie individuell weiterzuentwickeln. Der Fokus lag heuer ganz klar auf Wurftechnik und defensiver Beinarbeit.

 

Wie ist dein Fazit? 


Äußerst positiv. Man könnte jetzt viele Dinge aufzählen, aber ganz besonders angetan war ich heuer von der Dynamik der Gruppe. Die Kids hatten die ganze Woche über eine sehr große Basketballeuphorie und wollten gar nicht aufhören zu trainieren. Gerade diese Rückmeldungen sind es die einen selbst sehr motivieren den Kindern neue Dinge beizubringen.

Du gehst in dein drittes Jahr als Nachwuchskoordinator. Wie darf man sich deine Arbeit vorstellen?

Grundsätzlich betrifft mein Aufgabenbereich den gesamten Nachwuchs und kennt hier keine Grenzen. Daher kann ich hierauf auch keine klare Antwort geben. Es gehört sehr viel dazu: von Kleinigkeiten die niemand sieht, bis hin zu größeren Projekten. Grundsätzlich versuche ich einfach dem BBU-Nachwuchs im Rahmen der Möglichkeiten des Vereins so viel, wie es meine persönlichen Ressourcen auch zulassen, wie möglich zu ermöglichen und Verbesserungsmöglichkeiten auszuschöpfen.  Konkret sind das im Moment folgende Dinge:

  • die Umsetzung von Trainingsmöglichkeiten für unter 8-jährige in Kooperation mit dem Verein NeMo

  • der Ausbau unserer weiblichen Abteilung (zur Zeit haben wir eine Wu12- und eine Wu14-Mannschaft)

  • die Stärkung unseres Leistungszentrums für Basketball in Salzburg (kurz LZ Basketball Salzburg) für angehende ProfispielerInnen

  • eine Reduzierung der „exotischen“ Turnhallentrainingsstätten mit dem Ziel einer gemeinsamen Trainingshalle für alle BBUler in der Sporthalle Alpenstraße


Du bist gebürtiger Linzer. Oberösterreich weist eine hervorragende Jugendarbeit auf. Was zeichnet die Förderung junger Spieler bei der BBU Salzburg aus, und wo siehst du noch Verbesserungspotential?

Das Bundesland Salzburg ist in Hinblick auf Basketball eines der schwächsten in ganz Österreich. Diese Aussage führe ich nicht auf die Leistung der einzelnen Vereine zurück, ganz im Gegenteil, sondern auf die Dichte an Vereinen im Bundesland. Wir verfügen mit dem TV Zell am See und uns, gerade mal über zwei richtige Basketballvereine. In Öberösterreich sieht die Situation z.B. ganz anders aus: da gibt es mit Gmunden, Wels, Linz, Vorchdorf und Steyr gleich 5 Basketballhochburgen und dazu kommen noch viele kleine Vereine. Da können wir rein strukturell und kompetitiv einfach nicht mithalten. Auch deswegen orientieren wir uns seit Jahren im Nachwuchs an Oberösterreich und melden fast alle Teams auch zusätzlich in dieser Liga an.
Junge Spieler haben deswegen bei der BBU Salzburg auch alle Chancen auf eine sehr gute Ausbildung. Die Förderung der Spieler zeichnet sich mittlerweile durch einen sehr klaren Weg aus. Individualität und Spaß am Spiel in der U10 und U12. Erhöhte Leistungsbereitschaft und das erkennen, ob der Sport Basketball lebensbestimmend sein kann in der U14. Die Möglichkeit des Einstiegs in das Leistungszentrum Basketball ab der U16 bzw. Oberstufe. Die Heranführung an Erwachsenenniveau ab der U19 und die Integration in die 2.BL-Mannschaft. Parallel dazu die Möglichkeit für sehr außergewöhnliche Talente in der Kooperation mit dem Raiffeisen Flyers Wels  auch Erstligaluft zu schnuppern. Nicht zu vergessen, dass es auch für alle anderen SpielerInnen, wozu ich ja die Mehrheit zähle, auch noch andere Szenarien bei der BBU gibt: den Sport als Ausgleich zur Schule zu sehen und später neben dem Berufsleben in der Salzburger Landesliga spielen zu können.

Was sind für dich entscheidende Punkte in der Nachwuchsarbeit? Und was muss ein Spieler mitbringen um langfristig erfolgreich sein zu können?

Auch das ist eine Frage, welche ich nur ausufernd beantworten kann. Aus der Erfahrung der letzten Jahre kann ich es aber vielleicht auf zwei sehr, sehr wesentliche Punkte reduzieren: erstens eine sehr hohe Motivation für die Sportart, und gleichzeitig Geduld seiner Entwicklung Zeit zu geben. Diese Punkte würde ich daher auch als entscheidende Punkte in Hinblick auf die Nachwuchsarbeit nennen, ohne zu sehr basketballspezifisch zu werden. Die Kinder müssen einerseits in ihnen das Feuer für Basketball entfachen, was nur mit Hilfe abwechslungsreicher Trainings und sehr motivierenden TrainerInnen gelingt. Andererseits ist es auch wichtig, dass die Kids den Blick für wesentliche Dinge im Basketball bekommen und für die Kleinigkeiten auf die es ankommt, die nötige Zeit, Energie, wie Geduld investieren, um hier Basketball-Automatismen zu entwickeln.  

Nicht verstecken kann man die Tatsache, dass sich in unserer Zweitligamannschaft neben Christian Joch und dem zurückgekehrten Bojan Milojevic aktuell keine Eigengewächse mehr befinden, auch da die Zukunft von Lukas Reichle noch ungewiss ist. Wie kommt das?

Da muss man natürlich genauer hinschauen und die gesamte Basketballsituation in Österreich etwas näher beleuchten. Nehmen wir z.B. die Gmunden Swans oder die Raiffeisen Flyers Wels aus der ersten Liga als Beispiel. Auch hier finden wir nur wenige Eigenbauspieler in den Kadern. Grundsätzlich fallen mir hier eventuell mit Murati (kam aber auch erst mit 15 Jahren nach Gmunden) und Linortner auf die schnelle nur 2 Rotationsspieler bei Gmunden und mit Zulic in Wels gar nur ein Einziger ein. Auch wenn viele Österreicher in den Kadern sind, diese wurden woanders ausgebildet. Friedrich - Gmundner Pointguard z.B. in Wien, oder Csebits -  Shooting Guard der Welser in Kapfenberg. D.h. je höher das Niveau in Basketball-Österreich wird umso mehr muss man sich woanders auf Spielersuche machen. Natürlich ist das Niveau der 2.BL und der BBU Salzburg nicht mit dem der 1. Liga zu vergleichen, aber dennoch wird die Liga von Jahr zu Jahr auch hier stärker.  Für uns ist es daher ein riesen Erfolg, wenn wir pro Jahrgang einen Spieler auf Bundesliganiveau bekommen. So gut muss man sich mittlerweile die Konkurrenz vorstellen.
Ein weiteres Argument ist aber dann auch wieder die erwähnte Situation der Erstligaclubs, die sich auf die Suche nach Talenten machen und diese dann frühzeitig abwerben. Viele folgen diesem Ruf und wir können sie dann nicht in die eigene Herrenmannschaft integrieren. Ohne Bewertung haben wir hier ja viele Beispiele, die aber auch wiederrum die gute Nachwuchsarbeit der BBU Salzburg aufzeigen: Christian Joch, zwar wieder zurück, aber verlies die BBU Richtung Gmunden für 2 Jahre. Aleks Andjelkovic  spielt mittlerweile für die Traiskirchen Lions. Marko Rakic ebenfalls Gmunden. Bojan Milojevic ging auch nach Gmunden - jetzt spielt er wieder bei uns. Und man kann jetzt aktuell damit fortsetzen: Reichle Wien?
Aber auch das Problem, dass viele Nachwuchsspieler eben nach der Schule ihre Zukunft anders oder abseits vom Basketball planen. Z.B. Julian Haas, der seine Zelte in Wien zum Studieren aufschlägt, oder Marko Vasic, der ebenfalls seinen Fokus im Studium sieht. Das ist vollkommen in Ordnung, damit muss der Sport natürlich auch leben.
Nichts desto trotz versuchen wir so gut wie möglich unseren Nachwuchs ins Herrenteam zu integrieren.  Dazu zähle ich aktuell neben Chris Joch auch Goran Simic aus der letztjährigen U19, Bojan Milojevic der aus Gmunden retour ist, aber auch 2-3 U19 Spieler, welche schon Schnuppertrainings im Herrenteam absolviert haben. 

Es gibt aber auch viel Gutes: die U12 ist vergangene Saison recht weit gekommen in Oberösterreich; die U16 wurde sogar Vizemeister. Lukas Reichle schaffte zudem den Sprung in den U19-Nationalkader. Auch die Kooperation mit dem SSM erweist sich als wertvoll. Was sind die nächsten Pläne und Ziele?

Ich würde sagen konstant wie bisher weiterarbeiten und die einen oder anderen Stellschrauben anziehen, um Dinge noch etwas zu verbessern. Hier haben wir schon für die kommende Saison sehr richtungsweisende Entscheidungen getroffen. Mit Dejan Ljubinkovic kommt ein sehr erfahrener Trainer zurück in die U19. Dejan hat die Fähigkeiten die Spieler auf einem sehr hohen qualitativen Level an die Bundesliga heranzuführen. Außerdem wollen wir den österreichweiten Bewerb ÖMS mit der u16 und u19 bespielen. Auch diese Erfahrungen sind wesentlich für den Nachwuchs und hierfür war in der Vergangenheit einfach zu wenig Geld da, weil die Bewerbe sehr teuer sind. Die Fahrtrichtung im Nachwuchs stimmt, davon bin ich überzeugt. Nach Matthias Weissl Berufung ins U18 Nationalteam gab es eine lange Durststrecke für Kadereinberufungen von der BBU Salzburg. Jetzt arbeiten wir seit Jahren konsequent an unserer Linie und wir haben mit Chris Joch, Karlo Keca, Aleks Andjelkovic, Marko Vasic und Lukas Reichle gleich mehrere Spieler in die Nachwuchsnationalteams gebracht. Es ist daher weiterhin unser Ziel unsere Toptalente dorthin zu bringen. Schön wäre es jedes Jahr 1-2 Kandiaten fürs Jugendnationalteam zu haben. Weitere Pläne in dieser Hinsicht sind auf jeden Fall die Forcierung des LZ Basketball Salzburg. Tobi Korn, Teodor Jeremic und Patrick Zanner haben die Aufnahme geschafft und viele BBUler klopfen schon an die Tür. Mal sehen was die Zukunft bringt. 
Mein letzter Satz gebührt aber den Mädels. Großes Ziel von mir ist es für Mädchenbasketball in Salzburg ähnliches zu bieten wie bei den Burschen. Ich hoffe es gelingt uns!

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