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Mit 15 in die Bundesliga

September 10, 2019

Tobias Korn wird diese Saison einer der jüngsten Spieler in der Zweiten Basketball-Bundesliga sein. Das Talent der BBU Salzburg wird beim ersten Heimspiel am 28. September noch 15 sein. Keine leichte Aufgabe – doch als erfahrener Streetballer lässt man sich nicht unterkriegen.

 

Er ist aus dem Salzburger Basketball nicht mehr wegzudenken. Jeder kennt ihn, jeder hat schonmal gegen ihn gespielt, jeder kennt seinen Ehrgeiz. Tobias „Tobi“ Korn ist zwar erst 15, doch schon so etwas wie eine lebende Legende in der Mozartstadt. Der Sohn einer japanischen Mutter und eines österreichischen Vaters – beide Architekten – liebt und lebt für Basketball. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis das junge Talent es bei der BBU Salzburg in die zweite Bundesliga schafft. Jetzt ist es soweit.

 

Die Anfänge

Angefangen hat alles mit neun Jahren, als die Entscheidung zwischen Karate und Basketball anstand. „Bei Karate war ich aber nur einmal“, so Korn. „Da fast alle meine Freunde und viele aus meiner Klasse Basketball gespielt haben war die Entscheidung recht klar.“ Los ging es dann bei der BBU Salzburg in der U10, für die der ehemalige Zweitliga- und Landesligaspieler Ali Sendlhofer zuständig war. Bereits hier war sein Talent schnell offensichtlich: „Er war immer schon engagiert, in jedem Training und jedem Spiel. Er hat schnell gelernt und dies praktisch angewendet. Besonders was Ballhandling betrifft war er den meisten Kids immer voraus“, so Sendlhofer. Weiter ging es in der U12 bei Waldemar Hekl, wo sich das gleiche Bild zeigte: „Er war schon immer aufgeschlossen, schnell und lernwillig. Zudem war er auch quasi immer im Training und dabei sehr eifrig“, so Hekl.

 

Catching Fire

Bereits mit elf Jahren durfte er in seinem zweiten U12-Jahr in der mU14 von Fabio Thaler mittrainieren und -spielen. „Am Anfang war Basketball für mich nicht so ernst“, schildert Korn. Doch das änderte sich unter Thaler, der damals für die Mozartstädter spielte und auch Kapitän war. Es entwickelte sich schnell eine gute Beziehung, und so wurden bald zusätzliche Trainingsmöglichkeiten gesucht und gefunden. „Wir haben dann vor allem in den Ferien individuell trainiert und ich habe gemerkt, wie ich immer besser wurde. Das hat Spaß gemacht. Alles war ganz offen und ungezwungen.“ Es wurden Basketball und Kraft trainiert, außerdem wurden Videos von Spielen analysiert. Hinzu kamen noch Trainingseinheiten mit Lukas Reichle, der aktuell seit über einem Jahr in der österreichischen Nationalmannschaft spielt. Vor und nach der Schule wurde weiter an den eigenen Fertigkeiten gefeilt. „Tobi ist einer der motiviertesten und ehrgeizigsten Spieler die ich kenne“, so Reichle. „Egal ob um sechs Uhr in der Früh, oder bei 30 Grad in der Halle: er war immer dabei und hat hart an sich gearbeitet.“ Natürlich war es dann hart, als Thaler zu den Dornbirn Lions wechselte. „Da war ich dann schon traurig, aber er ist ja immer wieder in der Stadt und dann trainieren wir auch immer.“ Doch auch unter der neuen Trainerin, Claudia Seiser, konnte er sich einige Extratrainings organisieren. „Sie war donnerstags immer in der Kraftkammer, und da hat sie dann mit mir mit Eigengewicht trainiert.“ Seiser und Thaler: „Tobi hatte schon in der U12 und U14 die Trainingsdisziplin und -moral, die man sich von einem Bundesligaspieler erwartet. Jede Übung wurde mit Disziplin, Konzentration und vollem Einsatz ausgeführt. Neben den Trainings hätte er am liebsten täglich Extra-Einheiten absolviert.“ Aus beruflichen Gründen musste sie damals nach einer Saison wieder aufhören. Doch nun war er alt genug, um selbstständig Trainings zu gestalten. „Ich habe oft mit Lukas Reichle trainiert, und habe sonst anfangs alleine meine Übungen gemacht. Später habe ich dann angefangen viel mit Teodor Jeremic zu trainieren und auch sehr viel mit Konstantin Kitic (ebenfalls BBU-Nachwuchsspieler, Anm. d. Red.) – teilweise haben wir zehn Stunden Eins-gegen-Eins gespielt, uns gegenseitig geholfen und Fehler besprochen.“ Kaum in der mU16 angelangt, kamen schnell wieder Trainings mit der mU19 dazu. Unter Gene Douglas Baldenko entwickelte er sich weiter zu einem hervorragenden Aufbauspieler: „Tobi war der leidenschaftlichste Spieler, den ich in all den Jahren bei der BBU bis jetzt hatte. Sein Spielverständnis wächst immer weiter; mittlerweile hat er dabei ein Level erreicht, das für seine Mitspieler schwer zu erreichen sein wird.“

 

Ball is Life

Abseits des Vereinsbasketballs hat er sich immer wieder Gegner auf Salzburgs Streetballplätzen gesucht. Auch wenn er dort aktuell durch seinen Sprung in den Bundesligakader weniger oft anzutreffen ist, so ist er über die Jahre doch zum Gesicht des Basketballs der Straße geworden. Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, neuen Erfahrungen und einer guten Partie. „Das sind dann oft Leute, die früher mal gespielt haben und wieder anfangen, oder einfach nur zocken wollen. Dabei findet man alle Leistungsklassen. Bis auf sehr wenige Ausnahmen sind alle nett und bilden eine gute Community“, so Korn. Egal ob Volksgarten, Lehener Park oder sonstwo: Basketball lebt in der Stadt. Und spätestens jetzt sogar auch ein bisschen in der zweiten Bundesliga. Denn: „Es gibt so viele Spieler mit ebenso vielen unterschiedlichen Spielstilen. Da lernst du dich schnell anzupassen.“

 

Klein aber "Oho"!

Dass er dabei fast immer gegen Größere gespielt hat, war für ihn aber nie ein Thema. Er war fast immer der Kleinste und ist auch jetzt mit 169cm kleinster Spieler im Bundesliga-Kader. Auch in seiner Nachwuchs-Laufbahn hat er fast immer zusätzlich in der nächsthöheren Altersgruppe mittrainiert. Daher ändert sich für ihn nichts. „Ich habe immer versucht dann schneller und besser als die anderen zu sein.“ Auch ein paar Zentimeter mehr würden seinen Spielstil nicht ändern, wobei es natürlich den ein oder anderen Vorteil mit sich bringen würde. „Ich bin kein Scorer, sondern konzentriere mich eher auf Pässe und Ableger. Am Brett kann ich nicht punkten, dafür ist der Wurf neben meinem Ballhandling mittlerweile eine meiner größten Stärken.“ Das war aber nicht immer so: vor drei Jahren war er nämlich eine enorme Schwäche. „Da habe ich zuviel auf die Technik geachtet und dadurch alle zwei Monate meinen Wurf umgestellt. Jetzt konzentriere ich mich eher auf mein Gefühl. Wichtig ist es, einfach locker zu bleiben.“

 

Fördern und Fordern

Auch hilfreich ist die Unterstützung durch das Salzburger Leistungszentrum in Kooperation mit dem Salzburger Schulsportmodell. Als einer von drei LZ-Spielern bleibt ein Jahr länger Zeit für den Schulabschluss und gleichzeitig für mehr Trainings während der Schulzeit. So bleibt auch noch etwas Zeit für Pausen, auch wenn selbst diese meist mit Basketball gefüllt werden. „Außer Schlafen und Essen gibt es bei mir keine basketballfreie Zeit. Außer ich treffe mich mit Freunden.“ Oder es geht zum Snowboarden oder Kite-Surfen mit seinem Vater. Seine Arbeitseinstellung spiegelt da ein bisschen sein sportliches Vorbild wider: Kobe Bryant. Seine legendäre „Work Ethic“, nach der er selbst nachts nach Spielen noch stundenlang trainiert, hat es dem jungen Korn angetan. „Das motiviert mich einfach, und seine Fähigkeiten hat er sich so hart erarbeitet.“ Durch die Eltern erhält er die notwendige Unterstützung, ohne sich aufzudrängen. „Sie versuchen schon ab und an zu Spielen zu kommen, aber sie halten auch etwas Abstand, sodass Basketball mein eigenes Ding sein kann.“ Gut gemeinte Verbote in schwierigen Schulzeiten wurden daher auch nie durchgesetzt. „Das hätte keinen Sinn gemacht, weil ich immer unbedingt ins Training wollte.“

 

Sprung in die Bundesliga

Dass er der einzige fixe Spieler aus der mU19 im Kader ist, das hat ihn dann aber doch überrascht. Zwar haben andere potentielle Kandidaten weniger lange Erfahrung mit Basketball, könnten aber mittelfristig ebenso mithalten. „Ein früher Start mit Basketball ist gar nicht so entscheidend. Nowitzki und Antetokounmpo haben auch erst spät angefangen, wenngleich sie vorher schon eine sportliche Grundausbildung hatten. Wichtig sind Hingabe und Training.“ Auch allgemein gilt für Nachwuchs-Basketballer, einfach Freude am Spiel zu haben. „Wichtig ist, dass man nicht so viel Druck auf sich lasten lässt, sondern dass man Spaß hat. Sonst ist man schnell wieder weg.“ Derzeit steht trotz allem Lernen auf dem Trainingsplan, in jeder Hinsicht. „Ich muss erstmal in die ganzen Spielprinzipien reinkommen. Danach kann ich die Qualität meiner Fähigkeiten weiter ausbauen. Gleichzeitig muss ich physisch stärker werden. Außerdem wird es auch interessant mit Erwachsenen zu spielen.“ Dabei muss man aber immer wieder das zarte Alter von fünfzehn Jahren betonen. „Spielzeit und Statistiken sind für mich diese Saison noch irrelevant; ich will erstmal lernen und mich verbessern. Ich bin noch jung und natürlich physisch unterlegen, aber ich habe noch genug Zeit.“

 

Sportliche Ziele

Die sportlich konkreten Ziele liegen noch eher außerhalb der Bundesliga. „Ich will mich in der mU19 endlich beweisen und behaupten.“ Auch wenn es kein endgültiges Ziel, sondern eher Etappen auf dem sportlichen Weg gibt, so sollen bei den nächsten FICEP-Spielen zudem mehr Spielzeit und Punkte her. Bei diesen internationalen Sommerspielen der Sportunion war Korn der einzige Salzburger in der Mannschaft und Kapitän der jüngeren Spieler. Interesse an der richtigen österreichischen Nationalmannschaft ist definitiv da, doch nach dem verpassten Sprung in das mU16-Team ist erst mittelfristig an den Sprung in die mU19-Auswahl zu denken. „Als Salzburger ist man im Vorfeld schon eher uninteressant, und jetzt ist die mU19 physisch noch zu überlegen. Außerdem kenne ich einige Spieler aus meinem Jahrgang: da gibt es viele sehr starke Aufbauspieler so wie mich. Das wird schwer, aber ich warte auf meine Chance.“

Sportlich will man Korn das Allerbeste wünschen. Sollte es aber, aus welchen Gründen auch immer, am Ende schiefgehen, so braucht man sich keine Gedanken um ihn machen. „Physiotherapeut oder Trainer würden mich interessieren.“ Aktuell sieht es sportlich aber gut aus, und so geht es hoffentlich auch weiter.

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